NABU Leipzig erstattet Strafanzeige gegen Bezirksbürgermeister Hikel

NABU Leipzig erstattet Strafanzeige gegen Bezirksbürgermeister Hikel

Damit Naturerfahrung im eigenen Kiez erlebbar bleibt, hatten Anwohnerinnen und Anwohner im vergangenen Jahr über 800 Unterschriften bei der Bezirksverordnetenversammlung und dem Bezirksamt in Neukölln eingereicht. Ziel war es, eine geplante Rodung von über 200 Stäuchern und Gehölzen am Weigandufer im Norden des Bezirks zu verhindern.

Vergeblich. Obwohl sich auch die CDU, die Partei DIE LINKE. und die FDP in der Bezirksverordnetenversammlung für einen Stopp der Rodungen ausgesprochen hatten, wurden sämtliche Hinweise aus der Bevölkerung und von Naturschützern von der Zählgemeinschaft aus SPD und GRÜNEN in den Wind geschlagen.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde der gesamte Grünstreifen am Weigandufer zwischen Wildenbruchstraße und Fuldastraße im Auftrag des Straßen- und Grünflächenamtes Neukölln gerodet.

Die Anwohner-Initiative erhält Unterstützung vom Naturschutzbund. Der NABU Leipzig hat bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Strafanzeige gegen Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) gestellt. Auf mehr als 20 Seiten begründet Karsten Peterlein vom Arbeitskreis Ornithologie und Vogelschutz beim NABU Leipzig diese Entscheidung. Bei den Baumaßnahmen im Neuköllner Sanierungsgebiet Sonnenallee wurden „vorsätzliche Verstöße gegen Verbote des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG)“ festgestellt. Karsten Peterlein vom NABU Leipzig ist erschrocken über die schonungslose Zerstörung des Lebensraum von Haussperlingen, Feldsperlingen und anderen Vogelarten. Den rund 100 Haussperlingen gingen Balz- und Paarungsplätze, Schlafplätze, Mauserplätze, Zufluchtsstätten vor Fressfeinden und Deckung vor Witterungseinflüssen, Sonnen- und Staubbadeplätze, Sozialraum der Kolonie, geschützte Aufzuchtstätte und Fütterungsplätze der Jungvögel, Überwinterungsplatz, und essenzielles Nahrungshabitat für die Jungenaufzucht und ganzjährig für Altvögel verloren. Solche geschützten Lebensstätten standorttreuer Vogelarten gehen überall in Berlin zurück, was Perterlein bei seinen besuchen feststellte. Besonders gravierend ist die Situation für die Feldsperlinge, welche im Bauabschnitt Ost zwischen Innstraße und Wildenbruchstraße bereits ihre Ruhestätten und Nahrungshabitate verloren hatten. Der Feldsperling steht ebenso wie der Haussperling bundesweit auf der Vorwarnliste der Roten Liste der Brutvögel.In der Roten Liste für Berlin heißt es sogar, dass der Feldsperling um mindestens 50 Prozent abgenommen hat. Um so unverständlicher ist, dass keine besonderen Schutzmaßnahmen für diese Vögel eingeleitet werden. Peterlein versuchte bei der unteren Naturschutzbehörde und beim Grünflächenamt auf notwendig werdende Schutzmaßnahmen für die Vögel hinzuweisen, leider ohne Erfolg. Sein Schritt zur Anzeige blieb unvermeidbar.

Anwohnerinnen und Anwohner begrüßen diesen Schritt. „Es wäre wirklich schön, wenn es da noch ein bisschen Gerechtigkeit gäbe.“ sagt Stefan Tietke von der Anwohner-Initiative „Weigandufer Retten“.

„Ich fahre täglich am Weigandufer entlang und habe die Rodung des wilden Grünstreifens mit Schrecken verfolgt. Das, was da jetzt gerade entsteht, übertrifft aber nochmal bei Weitem meine schlimmsten Befürchtungen – eine Betonwüste ohne den kleinsten Streifen für Büsche oder anderweitiges Grün. Offensichtlich soll die Neubebauung ebenso trostlos werden wie drüben auf der anderen Seite der Wildenbruchstraße.“ fügt eine Anwohnerin hinzu.

 

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